Goa / Indien
verFASSer: Angela
19. August 2023 – 25. August 2023
Die Nacht im Schlafbus war heute wieder um einiges angenehmer als die letzten Male – immerhin hatten wir einen AC-Bus inklusive nicht funktionierendem Fernseher. Dafür wurde uns eine Decke bereitgestellt, welche ich dankend annahm, um welche ich in der Nacht aber auch hart kämpfen musste! 😉 Am Vormittag kamen wir dann im verregneten Goa an.
Goa liegt im Westen des Landes und ist in unseren Breitengraden eher fürs Party machen und einen günstigen Strandurlaub bekannt (oder, wenn mal wieder Kühe am Strand unterwegs sind und sie es bis in die Tageszeitung schaffen). Die Partyexzesse finden aber eher im Norden des Bundesstaates (auch North Goa) statt, wohingegen der Süden (South Goa) umso ruhiger ist. Und genau dort, inmitten unzähliger Bananenbäume und Palmen fand sich unsere Unterkunft für die kommenden 6 Nächte: Das Lotus Nature Cure.
Unser Tagesablauf für die kommenden Tage sah wie folgt aus:
- 06:15 – 07:45 Uhr: Morgenyoga mit anschließendem Frühstück
- 10:30 – 12:00 Uhr: Ganzkörpermassage
- 12:30 Uhr: Mittagessen mit anschließender freier Zeit
- 17:30 – 19:30 Uhr: Abendyoga und anschließendes Abendessen
Am Nachmittag ging es dann mit den anderen auf zum Strand. Allerdings hängten nach wie vor regenschwere Wolken über dem Himmel, welche sich nach ein paar kurzen Zügen im Meer schließlich auf uns ergossen. Der Regen war warm, nach ein paar Minuten wurde er aber immer stärker und wir waren gezwungen, bei den anderen im Restaurant Schutz zu suchen. Der Tee und Kaffee dort war alles andere als gut, wärmte uns aber wieder ein wenig auf, bis es dann gegen 4 Uhr wieder zurück zum Resort ging.
Das Abendyoga:
Das Abendyoga dauerte meistens 1 ½ - 2 Stunden und war recht intensiv aufgebaut. Neben Atemübungen, Dehnübungen und den „Dreiecksübungen“ machten wir auch einmal eine Lichtmeditation, bei welcher die ganze Gruppe im Kreis saß und, möglichst ohne zu blinzeln, auf die Flamme der Kerze schaute. Die Dreiecksübungen waren aber mit Abstand die schwierigsten Übungen, insbesondere, wenn man die Position schon 3 Sekunden gehalten hat und der Instruktor dann erst von 9 – 1 zu zählen beginnt. Einige Übungen sind aber um einiges leichter, wenn man gut gedehnt ist und sich zum Beispiel am Boden abstützen kann; andere Übungen bedurften aber einiges an Kraft in den Oberarmen oder Bauchmuskeln. Sprich: Es war für jeden etwas dabei! Das Abendyoga fand an einigen Tagen auch am Strand statt - Yoga mit Sonnenuntergang, Meeresrauschen und Hunden: Was will man mehr im Leben?
Nach dem Abendessen ging es für uns dann direkt ins Bett, da wir morgen doch wieder recht früh raus mussten.
Am nächsten Tag ging es also bereits um 06:15 Uhr mit dem Morgenyoga los und wir beide waren voll motiviert und bereit, uns die nächsten 1 ½ Stunden alle vorhandenen Wasservorräte aus dem Körper zu schwitzen. Nach einem Zitronensaft (den wir jeden Morgen vor dem Yoga bekommen haben) ging es auch los.
Wieder startete unser Yoga mit der Wiederholung des Wortes „Om“, einem kurzen Lied und Dehnübungen. Am Morgen war für mich das „Kapalabhati“ wohl die anstrengendste Übung und mir wurde regelmäßig etwas unruhig im Bauch.
Ein Achterl Wissen:
Kapalabhati, auch Feueratmung oder Schnellatmung, legt seinen Fokus auf die Ausatmung und die passive Einatmung. Der Ablauf erfolgt so (zumindest haben wir das so gemacht 😉):
1) Man setzt sich in einem Schneidersitz hin und hebt beide Hände auf Kopfhöhe (Hände hoch!!)
2) Man atmet noch einmal bewusst aus und wieder ein
3) Das Ausatmen erfolgt nun schnell durch die Nase; man senkt seine Hände und ballt dabei eine Faust – beim Ausatmen sollte man darauf achten, dass der Bauch eingezogen wird
4) Das Einatmen erfolgt unbewusst und man hebt die Hände wieder auf Anfangsposition – der Bauch wird beim Einatmen ein wenig nach außen gedrückt
5) Diese schnappartige Atmung sollte ca. 120 Mal oder zumindest 2 Minuten lang wiederholt werden.
Wenn es in der Nacht nicht geregnet hatte, dann fand das Morgenyoga im Garten statt. Im Schatten der hohen Kokospalmen, Bananenbäumen und weiteren Sträuchern und unter den neugierigen Blicken von Streifenhörnchen (die gibt’s hier auch!), Spechten und Mosquitos absolvierten wir unsere Übungen und waren dann heilfroh, als es endlich zum Frühstück ging – nach einer kurzen Dusche natürlich 😉
Zum Frühstück gab es jeden Tag eine Schale Früchte (entweder Wassermelone oder Papaya) und dazu Bananen und Guaven. (Ihr könnt euch vorstellen, dass wir zu Mittag schon wieder ganz schön hungrig gewesen sind 😉)
Nach dem Frühstück hatten wir kurz Zeit für uns, bevor es dann zur Massage ging. Am ersten Tag gab es mit unserem Yogalehrer (der übrigens auch Dr. im Bereich der Ernährung ist) noch ein kurzes Vorgespräch zu Krankheiten oder anderweitigen Beschwerden und da Michis unterer Rücken schmerzte, bekamen wir für heute eine heiße Kräuterstempelmassage „verordnet“. Vor der Massage bekamen wir dann noch eine riesengroße weiße Unterhose, die wir nun für die Massage anziehen mussten und die ein wenig an eine Windel erinnert. Nun war jeder auf sich alleine gestellt – oder besser gesagt: wir bekamen eine Auszeit voneinander! 😉 Nach der Ganzkörpermassage durften wir dann noch kurz in die Dusche und direkt im Anschluss ging es dann schon wieder zum Mittagessen. Eigentlich wie bei der Viehzucht: Zuerst mästen, dann das Fleisch schön zart klopfen und einmassieren und dann…. Naja, zum Schlachter wurden wir zum Glück nicht gebracht 😉
Nach dem heutigen Mittagessen verließen uns Christine, Jida und Julia, weshalb wir uns am Nachmittag nur mit Imi und Fanny auf dem Weg zum Strand machten. Das Wetter war heute schön und sehr sonnig & Michi zog sich auch einen leichten Sonnenbrand zu, als wir einen längeren Strandspaziergang mit Fanny machten. Fanny würde uns am nächsten Tag schon wieder verlassen, weil sie ein 10-tägiges Schweigeretreat geplant hat, in welchem sie weder ihr Handy benutzen noch lesen, schreiben, Sport betreiben oder sprechen darf. Also nichts, was bei der Meditation oder Selbstfindung stören kann.
Am Strand von Südgoa findet man nur wenige Cafes, dafür umso mehr Fischerboote und Hunde. Ganze Hundefamilien leben dort am Strand, raufen, schlafen in kleinen Einbuchtungen unter den Booten und tollen im Wasser umher. Sie sind die Menschen gewöhnt und lassen sich auch gerne mal am Baucherl oder hinter den Ohren streicheln.
Ein Achterl Wissen:
Im Jahr 2014 wurde in Goa ein Impf- und Sterilisationsprogramm für Hunde ins Leben gerufen und seit 2021 gilt der Bundesstaat als „Tollwut-kontrolliert“. Es gibt zwar nach wie vor genügend Hunde und Zuwachs am Strand von Goa, ich bin mir aber sicher, dass auch die Fischer und umliegende Anwohner ein Auge auf diese Tierchen haben.
So viele verschiedene Muschelarten man am Strand von Goa findet, so viele findet man auch im Meer. So fielen uns während unserer Herumplantscherei auch jene Muscheln auf, die durch die Wellen an den Strand gespült werden und sich dort dann blitzschnell wieder im nassen Sand vergraben, nur um bei der nächsten Welle wieder ins Meer mitgezogen zu werden. Ich bin kein Meeresbiologe, aber die sahen aus wie „liebliche Dreiecksmuscheln“.
An unserem 3. Tag in Goa wurde unsere Yogatruppe durch Valentin & Tom erweitert, die, wie die Namen schon vermuten lassen, aus Deutschland kommen. Kennengelernt haben die beiden sich in Delhi, als sie im gleichen Hostel übernachtet haben und bereisten seither gemeinsam Indien. Valentin reist schon etwa gleich lange wie wir, plant aber eine noch längere Reise (ca. 2 oder mehr Jahre). Tom hingegen studiert Rettungswesen und hat daher nur über die Sommerferien Zeit zum Reisen. Immerhin haben wir alle vier aber ein gemeinsames nächstes Reiseziel: Sri Lanka!
Auch Lily und Candice kamen zur Gruppe hinzu: Candice war geschäftlich in Indien und kommt aus Amerika; Lily kommt ursprünglich auch aus Amerika, lebt nun aber in Singapur. Die beiden machten unsere Gruppe komplett und das Yoga-Retreat hatte alle Hände voll zu tun, die ganzen Menschen mit Essen und Massagen zu verwöhnen.Unsere morgendliche Massage wurde aus diesem Grund einmal auf den Nachmittag verschoben, weshalb wir den Vormittag zum Erkunden des Ortes Varca (in dem sich das Yoga-Retreat befand) nutzten. Wir besuchten die St. Michaels Church und den dazugehörigen Friedhof; sahen unterwegs auch ein paar Wasserbüffel und mein absolutes Highlight des Tages: Michi öffnete für mich eine Kokosnuss, die wir am Straßenrand gefunden hatten. Nach einem kleinen Happen entschieden wir uns aber dazu, nicht noch einmal Durchfall zu riskieren und ließen die Kokosnuss für Vögel und sonstige Viecherei zurück. Aber immerhin: Wer schon mal eine Kokosnuss ohne Werkzeug geöffnet hat, hebe die Hand!
Goa war zwischen 1510 und 1961 unter portugiesischer Kolonialherrschaft, weshalb man bis heute noch zahlreiche Kirchen und eben auch Friedhöfe in Goa findet. Zudem durften Hindus ihren Glauben erst nach Ausrufung der Republik Portugal am 05. Oktober 1910 wieder frei ausüben. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Goa#Geschichte
Da es in Goa (und auch sonst in Indien) kaum Gehsteige gibt und wenn doch, diese sehr verstellt oder verbaut sind, machten wir uns entlang des Straßenrandes retour zum Hotel. Man will meinen, dass die meisten Inder gute Autofahrer sind, in Wirklichkeit sind sie aber eher Ausweichkünstler und haben ihren Führerschein im wahrsten Sinne des Wortes „im Lotto gewonnen“ (Tatsächlich wurde uns später erklärt, dass man die Fahrschule bestechen kann, um leichter an einen Führerschein zu kommen).
Michi bekam heute auch leider die harte Realität zu spüren, denn er wurde im Vorbeifahren vom Spiegel eines Autos erwischt. Glücklicherweise ist er mit dem Schrecken und einem blauen Fleck davongekommen. Der Fahrer des Autos ist aber nicht mal stehen geblieben – vielleicht hatte er Angst, dass wir ihn anzeigen. In Europa wäre so etwas aber wohl unter „Fahrerflucht“ gefallen!
Das Aufstehen fiel uns von Tag zu Tag schwieriger und auch das Yoga war am letzten Morgen in Goa nicht ganz so motivierend. Wir verbrachten den Tag mit Lily am Strand und leisteten ihr auch beim Abendyoga noch einmal Gesellschaft. Dieses Bestand heute auf Nachfrage nur aus ein paar Dehnübungen und einer Meditation (was wir dankend annahmen)!
Als wir dann gegen 21 Uhr ins Taxi zum Bahnhof stiegen, war mir schon ein wenig schwer ums Herz und ich erlebte wohl meinen ersten richtigen Kulturschock: Im Yoga-Retreat war man wie in einer „Blase“. Abgeschottet von all dem Leid und umgeben von Menschen, die mit positiver Energie und Gedanken geladen sind. Dieses Umfeld wieder zu verlassen war, als würde man wieder in eine neue Welt eintauchen. Und diese Welt hat mir an dem Abend absolut nicht gefallen und mich komplett überfordert. Als dann auch noch der Zug um eine knappe Stunde Verspätung hatte, war ich froh, als ich endlich schlafen gehen konnte!
Ein paar weitere Highlights:
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