Bangkok
II / Thailand
23.
Dezember 2023 – 28. Dezember 2023
Mit dem Zug ging es von Chiang Mai ins über 700 Kilometer entfernte Bangkok. Frühmorgens ging es deshalb zum Bahnhof und wir traten die 14 ½ h Fahrt an. Der Bahnhof in Chiang Mai ist putzig klein und der Zug mit den holzvertäfelten Wänden urig.😄
Die Türen des Zugs waren wieder die ganze Fahrt über offen und es wehte ständig kalte Luft durch das Zugabteil, weshalb ich bis zum frühen Nachmittag eine Jacke benötigte – ab dort knallte dann die Sonne unbarmherzig durchs Fenster herein und verwandelte das Abteil in eine kleine Sauna. Man konnte zudem die Zwischentür zwischen Klo und Sitzabteil nicht vollständig schließen und wir wurden hin und wieder von Urin- oder Marihuana-Geruch überrascht. Wir saßen ganz vorne und bekamen meistens die volle Geruchsladung ab. Allerdings hatten wir auch im Gegensatz zu den anderen Passagieren am meisten Beinfreiheit, was bei so einer langen Zugfahrt schon ziemlich angenehm ist! Wenn es dann mal nicht nach menschlichen „Abfällen“ roch, dann lag der Geruch von Frühling in der Luft oder jener von verbranntem Kunststoff und heißem Eisen, wenn der Zug bei einem Bahnhof bremst. Während der Fahrt gab es immer wieder Leute, die Reisgerichte, Kaffee oder Süßigkeiten verkauften. Mit den möglichen Konsequenzen im Hinterkopf riskierten wir auch ein Stir-Fried und einen Kaffee und kamen so gut durch den Tag. Die Stunden vergingen schnell und die Sonne verwandelte sich mit späterer Stunde in eine goldig-orange Scheibe, bevor sie dann langsam am Horizont verschwand und sich das Dunkel der Nacht breitmachte.Endlich Weihnachten! Ich erfüllte mir selbst einen Weihnachtswunsch und wir besuchten am Vormittag das Café „Corgi in the Garden“, welches ich vor mehr als einem Jahr auf Instagram gesehen haben und seither unbedingt besuchen wollte. Beim Café kann man zwischen vier Eintrittspaketen wählen, der Preis liegt dabei zwischen THB 350,- und THB 650,-. Wir entschieden uns für ein Paket inkl. Getränk und Kuchen und ein weiteres nur mit Getränk. Für den Eintritt zahlten wir also THB 800,-, was etwa EUR 20,- entspricht und nicht ganz günstig ist!
Wir mussten noch unsere Hände waschen, unsere Schuhe ausziehen und erhielten dann noch blaue Überzieher für die Füße, bevor wir zu den Corgis durften. Es wimmelte bereits, als wir das Café betraten und einige Gäste fütterten die Corgis mit Leckerlis und zogen die ganze Aufmerksamkeit der flauschigen Wuzerl auf sich. In der Mitte des Raums stand ein geschmückter Christbaum. Wir durften an einem kleinen Tisch am Fenster Platz nehmen und ein paar Corgis schauten bei uns vorbei, drehten aber direkt wieder um als sie sahen, dass wir nichts zum Fressen hatten. Ab dort sahen sie uns praktisch nicht mal mehr mit einer Arschbacke an und machten einen großen Bogen um unseren Tisch. Michi beschloss, ein Schüsserl Hundefutter zu kaufen und ab da waren die Corgis ganz lieb und ließen sich auch von uns streicheln! 😆 Die Hunde waren total verrückt nach den Leckerlis und als Michi die Hunde füttern wollte, sprang ihn ein Corgi an und die ganzen Leckerlis wurden am Boden verstreuten. Man konnte gar nicht so schnell reagieren, so schnell waren die Leckerlis in den Corgis verschwunden!Nach
dem Café ging es dann in ein Kamerageschäft, wo sich Michi die Sony Alpha 6700
mit Augenfokus besorgte (klingt, als würde es hier um einen Kaffee oder ein
Sandwich gehen – zack, gekauft! 😉) und dann trafen wir uns mit Beam, einem
ehemaligen Arbeitskollegen von Michi und seiner Frau Fah zum Abendessen. Wir
gingen in ein Seafood-Restaurant und das Essen war absolut fantastisch! Im
Anschluss ging es zu einem thailändischen Dessertladen, wo wir uns noch Roti
teilten.
Ein
Achterl Wissen:
Thailändische
„Roti“ kann man mehr oder weniger als „frittiertes Fladenbrot“ ins Deutsche
übersetzen. Die Zubereitung und der Teig sind aber sehr verschieden und ich
würde die thailändischen „Roti“ eher noch Richtung Strudelteig setzen. Der Teig
besteht aus Mehl, Eier, Wasser, Öl und ein wenig Salz. Der Teig wird in kleine
Knödel portioniert und mit Butter bestrichen. Anschließend wird der Teig (wie
bei Strudelteig) auseinandergezogen und in eine Pfanne mit heißem Öl gelegt.
Der Teig „popt“ auf und wird knusprig.
Die
originalen thailändischen Roti werden nicht gefüllt, nach dem Frittieren aber
mit Kondensmilch überträufelt. Es gibt auch gefüllte Roti und die Kreativität
kennt hier keine Grenzen: Bananen, Ananas, Papaya, Mango, Kokosnuss,
Schokolade, Eis, Nüsse, Fleisch, gemischt, …! Grenzenlose Möglichkeiten!
(Quelle:
https://hungryinthailand.com/thai-roti-dessert/#what-is-thai-roti-dessert)
Am
nächsten Morgen ging es wieder mit dem Bus zum Flughafen. Heute würden Martina
und Günter in Bangkok ankommen und wir wollten auch sie, besonders aber
anlässlich Martinas heutigem Geburtstag, mit einem Banner beim Flughafen
überraschen! Wir warteten wieder an demselben Fleck, wie wir es bereits vor
vier Wochen getan haben und hielten die Augen besonders offen, als die ersten
Leute mit Wiener Dialekt an uns vorbeigingen. Dann kamen die beiden ums Eck, wir
hielten winkend das Banner hoch und Martina und Michi konnten sich nach einem
halben Jahr endlich wieder in die Arme schließen! Schön! 😄
Mit
einem Grab-Taxi ging es dann gemeinsam in die Khaosan Road. Die Fahrt war lang,
ruckelig und mir wurde regelmäßig schlecht, weil unser Taxler immer wieder
anfuhr, nur um direkt danach wieder abzubremsen. Wir schafften es aber heil in
die Khaosan Road und die zwei bezogen ihr Zimmer. Die Partystraße war bei
Tageslicht kaum wiederzuerkennen, nur der Müll zwischen den Straßenfugen und
Abflüssen ließ auf die Feierlichkeiten der letzten Nacht schießen. Für uns ging
es dann erstmal zum Mittagessen und im Anschluss machten wir eine Bootsfahrt
zum „Flower Market“. Die Sonne stand bereits hoch am Himmel und heizte
erbarmungslos auf unsere Köpfe herab, als wir vom oberen Deck des Bootes auf
die Stadt blickten. Wir hatten glücklicherweise unsere Kappen dabei und Martina
hatte sich vor der Bootsfahrt noch einen „Bucket hat“ besorgt und bereits hier
mit ihrem Verhandlungsgeschick überrascht. Das war seehr beeindruckend und ich
ziehe meinen Hut davor – selbst nach einem halben Jahr Asien bin ich immer noch
zu „gschamig“, um zu verhandeln! 😉
Der
„Flower Market“ fand in einer großen Lagerhalle statt. Man konnte dort alle
möglichen Blumen kaufen und auch die typisch orangen und gelben
Ringelblumenkränze, welche bei den Tempeln als Gabe für die Götter hingehängt
werden. Außerdem konnte man verschiedene Gewürze, Kräuter und Früchte kaufen,
darunter riesige Ingwerwurzeln! Ein paar Katzen trieben sich auf dem Gelände
herum und wahrscheinlich waren Mäuse und Ratten auch nicht weit. Wir spazierten
im Anschluss wieder in die Khaosan Road und warfen uns in unsere „Abendroben“.
Heute war immerhin Martinas Geburtstag und den wollten wir auch gebührlich
feiern!
Michi hatte bei einem Restaurant mit Ausblick auf dem Fluss einen Tisch reserviert und das gemeinsame Abendessen mit dem Sonnenuntergang getimed. Natürlich fand hier seine neue Kamera auch direkt Anwendung! Michi verschwand vor dem Essen noch einmal kurz: Er musste eine Torte organisieren und hüpfte dazu zum Bäcker ums Eck. Ist seine Abwesenheit aufgefallen? Dazu müssten wir das Geburtstagskind befragen… 😉 Die Überraschung mit der Torte ist trotzdem gelungen und Martina freute sich sehr, als das ganze Serviceteam singend und mit leuchtenden Kerzen auf der Torte zu unserem Tisch kamen!
Nach
dem leckeren Abendessen spazierten wir noch durch den kleinen Weihnachtsmarkt,
bevor es mit dem Taxi nach Chinatown ging. Auch Martina und Günter gönnten sich
hier ein Fußbad im Fischbecken und Martinas freudigem Kichern nach zu urteilen,
kitzelte es ganz schön und sie brachte die umliegenden Gäste zum Schmunzeln!
Der
nächste Tag begann sehr entspannt mit Wäsche waschen, wo wir die großen
Meilensteile unserer restlichen Reise planten und buchten, und gegen Mittag
trafen wir uns wieder mit den Beiden. Wenn auch nur kurz, denn wir bogen
gemeinsam in einen Massagepalast in der Khaosan Road ein. Martina und Günter
gönnten sich eine Ölmassage, wir entschieden uns für die Kopf-, Nacken- &
Rückenmassage. Uns wurden zuerst die Füße gewaschen, dann bekamen wir ein
weites, braunes Gewand, welches wir anstelle von unserer Kleidung anziehen
mussten und dann ging es für uns zwei in einen gesonderten Bereich. Ich bekam
meine Massage von einer älteren Lady, die mit vollem Körpereinsatz meinen
Nacken und Rücken massierte. Und mit vollem Körpereinsatz meine ich das auch
so! Am liebsten verwendete sie ihre Ellbogen und Fingerknöchel und das mit
voller Kraft. Zum Schluss renkte sie mir noch den Nacken ein – das knackste
ordentlich und meine Augen wurden riesig! Generell war die Massage sehr
intensiv und von einem Gefühl wie „neu geboren“ war ich weit weg.
Martina
und Günter waren schon fertig, als wir aus dem Massagehaus traten und es ging
gemeinsam mit einem Taxi zum Nachtmarkt im Norden der Stadt. Auf einer großen
Fläche waren Essensstände, Kleidungsmärkte und Stände mit Ramsch aufgebaut. Es
gab außerdem eine große Grünfläche, auf welcher Sitzpolster lagen und ein
hausgroßes Schloss, welches zur späteren Stunde mit pinkem Licht beleuchtet
wurde. Die Kulisse mit dem Vollmond, dem Schloss und ein paar Oldtimern, die
auch am Rande des Grünstücks standen, wirkte wie aus einem Disney-Film –
einfach kitschig! Wir flanierten ein wenig durch die Stände und gönnten uns zum
Abschluss des Tages einen Burger und Mango Sticky Rice, bevor es mit der Metro
wieder retour ging – heute etwas früher, denn morgen würden wir den ganzen Tag
unterwegs sein…
Train
Market:
Mit
einem Grab-Taxi ging es zum Mae Klong Railway Market. Wir wussten zirka, was
uns dort erwarten würde und die Erwartungen wurden vollkommen erfüllt:
Unmittelbar neben den Zuggleisen sind links und rechts Gemüsemärkte, Souvenirläden,
Kleidungsgeschäfte, Cafés und Restaurants aufgebaut und Fischverkäufer versuchen
den Fang des (hoffentlich) heutigen Tages zu verkaufen. Am Eingang zum Zugmarkt
staute es ein wenig und es wimmelte gleichermaßen an Einheimischen und
Touristen. Desto tiefer man in den Markt ging, desto mehr verlief sich der
Trubel aber und man konnte ohne Gedrängel durchgehen.
Die
angebotenen Waren wurden durch Planen vor der Sonne geschützt und der Platz
zwischen den Gleisen und dem Geschäftslokal wurde vollkommen ausgenutzt. Bis
dann die erste Durchsage durch die Lautsprecher hallte: Das Zeichen für die
Ladenbesitzer und Besucher, dass der Zug bald durchfahren wird! Wir mussten uns
hinter eine rote Linie stellen und schauten zu, wie die Geschäfte ihren
Sonnenschutz abbauten und ihre Waren in den Laden brachten. Ein paar Shops
hatten ihre Waren auf beweglichen Schienen oder Rollen und der Ramsch verschwand
mit wenigen Handgriffen in ihrem Geschäft. Wir machten uns alle bereit für den
Zug und jeder zückte gespannt sein Handy oder seine Kamera, um den Moment
aufzuzeichnen. Dann kam der Zug ums Eck: langsam und immer wieder hupend, da ein
paar Touristen auf den Gleisen für Fotos posierten. Dann erreichte er auch uns
und fuhr keine Armlänge entfernt an uns vorbei! Auch für die Passagiere des
Zuges war es ein einmaliges Erlebnis, sie filmten und ein paar Kids streckten
ihre Arme aus dem Zug, um den Leuten draußen ein „High-Five“ zu geben. Als der
Zug dann nach ein paar Minuten verschwunden war, wurde wieder alles
aufgebaut…bis dann der nächste Zug kommt! Beim zweiten Zug standen wir am Ende
des Marktes, ein Mann vor uns kletterte sogar auf eine Straßenlaterne, um eine
bessere Sicht auf das Geschehen zu erhaschen.
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